Gemeinsame Erklärung der Betriebsräte der Funke Mediengruppe

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Ankündigung der Verlagsgeschäftsführung, in den nächsten Monaten massive Einsparungen durchzusetzen, liegt erst wenige Tage zurück. Sinkende Auflagen und Anzeigenerlöse, steigende Papier- und Zustellkosten werden als Gründe dafür angeführt, weshalb wieder der Rotstift angesetzt werden soll.

Die Betriebsräte der Funke-Unternehmen haben sich in den vergangenen Tagen intensiv darüber ausgetauscht, welche Einschnitte an den verschiedenen Standorten vorgenommen werden sollen. Die Ankündigung des Konzerns sorgt bundesweit für negative Schlagzeilen, der Imageschaden ist enorm, die Motivation der Mitarbeiter ist am Boden.

Bei allem Verständnis für den gewachsenen Kostendruck: Eine neue, auf den Leser zugeschnittene, digital orientierte Neuausrichtung unserer Produkte mit einem massiven Stellenabbau – es geht immerhin um mehrere hundert Jobs – zu verknüpfen, halten wir für eine große Fehlentscheidung.

Die meisten Betriebsräte haben bereits Anwälte mit ins Boot geholt. Wir werden alle juristischen Mittel ausschöpfen, um für die Kollegen, die ihre Jobs verlieren werden, bestmögliche und sozialverträgliche Lösungen zu erzielen.

Werdet Ihr vom Arbeitgeber angesprochen, so informiert darüber bitte Euren Betriebsrat. Niemand muss unbegleitet in solche Gespräche gehen, niemand muss sich sofort entscheiden.

Da an den einzelnen Standorten nicht verkündet wurde, welche Maßnahmen in anderen Funke-Betrieben durchgeführt werden, haben wir für Euch eine Zusammenfassung vorbereitet.

 Eure Betriebsräte aus Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Bayern

 Der Stand der Kürzungen in den jeweiligen Standorten:

Hamburg: Die Kollegen des Mediahafens erhielten folgende Informationen: Der Anteil der Verwaltungskosten an den Vermarktungserlösen soll reduziert werden. Neben den Stellen, die aktuell nicht nachbesetzt oder entfristet werden, sollen zwei zusätzliche Stellen abgebaut werden. Außerdem wird die Handelsvertreterstruktur überprüft.

Die bislang an den Funke-Standorten ansässigen Vertriebsabteilungen der Verlage sollen in einer gemeinsamen Gesellschaft zusammengefasst und ein großer Teil der Mitarbeiter per Betriebsübergang in die Essener Funke Sales GmbH überführt werden. Die meisten Kollegen, die nicht mit übergehen, nehmen Aufgaben in den Bereichen Marketing und Zusatzgeschäfte wahr, die organisatorisch und personell bei den Verlagen verbleiben. Funkeweit sollen wohl drei Kollegen im Vertrieb abgebaut werden.

In Bergedorf haben sich 17 Kollegen bereiterklärt, ihre Arbeitszeit zu reduzieren und auf Lohn zu verzichten. Das soll im Gegenzug Stellen retten. Betriebsrat, Anwälte, Geschäftsleitung und Personalabteilung handeln derzeit eine entsprechende Betriebsvereinbarung aus.

Darüber hinaus gibt es Überlegungen, alle Wochenblätter unter einem Dach zusammenzufassen. Ob das in Wandsbek passiert, ist noch unklar. Nur das Niendorfer Wochenblatt sei noch profitabel, sagt die Geschäftsführung. Der Betriebsrat ergänzt, auch die Bille schreibe schwarze Zahlen. Ob die Zusammenfassung mit einem Umzug der Bille- und Echo-Kollegen einhergeht, wurde noch nicht mitgeteilt.

Die Mitarbeiter der Funke Logistik Hamburg GmbH sind bereits im August 2018 per Betriebsübergang zur Funke Logistik GmbH gewechselt, Standort und Arbeitsplätze sind weiterhin in Hamburg. 

Berlin: In der Zentralredaktion sollen 22 Kollegen gekündigt und fünf derzeit offene Stellen nicht neu besetzt werden. Entsprechend sollen 27 Stellen verschwinden. Durch Stellenabbau und weitere Maßnahmen sollen insgesamt 3 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Der Abbau soll vornehmlich die Produktion treffen. Möglich werde das durch ein Update auf das neue Redaktionssystem und eine Verschlankung bei der Anzahl und Gestaltung der aus Berlin gelieferten Seiten. Geschlossen werden soll die Abteilung Recherche sowie die Service-Redaktion (Reise, Auto, Immobilien, Karriere). Die Arbeit der Service-Redaktion soll künftig ein externer Dienstleister übernehmen.    

Bei der Berliner Morgenpost wurde die Kompakt-Ausgabe eingestellt. Das Layout wird ausgelagert. Gehen sollen insgesamt 24 Beschäftigte (6 Redakteure, 3 Fotoredakteure, 9 Layouter und 2 Vertriebsmitarbeiter, 4 arbeiten im Anzeigenverkauf beim Media Checkpoint Berlin). Ein Anwalt ist bereits mit im Boot.

 Nordrhein-Westfalen: Das Druckzentrum in Essen soll geschlossen werden. Dort arbeiten 135 Mitarbeiter. Etwa zwei Drittel von ihnen sollen Stellen im Druckzentrum in Hagen angeboten bekommen. Rund 40 Jobs gehen wohl verloren. Das Verhandeln eines Sozialplans ist in Vorbereitung.

Bei der WAZ sollen 14 Redakteure gehen und 10 Mediengestalter, die zum Funke Redaktionsservice gehören und für alle Titel arbeiten. Bei der Westfalenpost sind es 14 Redakteure. Was bei der NRZ eingespart werden muss, ist noch nicht klar. Hier steht noch die Entscheidung des Mitgesellschafters aus.

Die Volontärsausbildung wird reduziert von 46 auf 23 Stellen. Die nächste Einstellungsrunde im Sommer fällt aus.

Es wird derzeit überlegt, die Sekretariate (46 Kolleginnen und Kollegen in NRW bei allen Titeln) in einem Pool zusammenzufassen – dieses mit vielen Nachteilen behaftete Modell wurde in Thüringen und Braunschweig bereits umgesetzt. Ziel ist es, Sekretariate abzubauen. Von 26 Geschäftsstellen in NRW schließen 21.

Die Funke Media Sales NRW GmbH (regionale Anzeigenvermarktung) wird quasi halbiert.

120 von 335 Mitarbeitern/innen werden abgebaut, 40 wechseln in eine andere Gesellschaft. Die Anzeigenstandorte werden von 24 auf acht bis zwölf reduziert. 

Bei der Funke Medien NRW sollen fünf Stellen im Marketing, eine CvD- und zwei POS-Ticketing-Stellen wegfallen. Es gibt auch Pläne, Grafiker aus den Bereichen Werbegrafik und Online aus verschiedenen Abteilungen in einem gemeinsamen Grafikpool zusammenarbeiten zu lassen.

Bei Funke Online NRW stehen zwei Stellen auf der Streichliste, in den vergangenen Wochen gab es aber bereits Abgänge.

Bei den Zustellern der Funke Zeitungsvertrieb NRW GmbH, Betrieb Bottrop, wird eine Sollzeitüberprüfung durchgeführt, was vermutlich auf eine Kürzung der Zeiten hinauslaufen wird. Der Betriebsrat hat bereits juristische Unterstützung angefordert.

In der Funke Medien Services GmbH sind etwa fünf Mitarbeiter betroffen, die im Druckhaus Essen arbeiten. Möglicherweise werden auch weitere kaufmännische Bereiche der Gesellschaft von den Sparplänen betroffen sein. Betriebsrat, Personalleitung und Fachvorgesetzte werden zeitnah erste Gespräche führen.

Insgesamt stehen in NRW rund 300 Stellen zur Disposition.

Am Mittwoch fand zudem die turnusmäßige Betriebsversammlung der WVW statt, zu der der Betriebsrat schon vor Bekanntmachung der Sparmaßnahmen eingeladen hatte. Geschäftsführer Axel Schindler auf dieser Betriebsversammlung mit, dass 8 Vollzeitstellen eingespart werden müssen. Der Honoraretat soll verlagsweit 50.000 Euro weniger betragen.
Außerdem sind die WVW-Anzeigenblätter von der Funke-Standort-Zusammenlegung – es gibt künftig nur noch 8 Standorte – betroffen, müssen teilweise von anderen Orten aus und deshalb im Gebiet mobiler arbeiten. Ob Ausgaben – in der Wochenmitte – eingestellt werden, werde noch geprüft. Sicher werden Ausgabenstrukturen verändert, durch die Sublokalität eingebüßt wird. Das Text-/Anzeigenverhältnis wird auf 30/70 reduziert. Begründet wurden die Maßnahmen durch die Marktlage, den Verlust nationaler Kunden, die Papierpreiserhöhung und den Mindestlohn, der die Logistik betrifft.

 Thüringen: Noch keine Verkündung gab es für den Redaktionsbereich in Thüringen. Wie auch bei der NRZ gibt es bei der OTZ einen Mitgesellschafter, der den Plänen noch nicht zugestimmt hat. Klar ist aber, dass auch hier Stellen reduziert werden sollen.

In der Vermarktung sollen vakante Stellen nicht neu besetzt werden, befristete Verträge laufen aus. Auch Versetzungen in die Funke Sales sind geplant. Geprüft werden zudem Sparmöglichkeiten jenseits des Personalbereichs. Derzeit lässt sich noch nicht abschätzen, wie viele Kollegen von einer harten Kündigung betroffen sein werden.

Für den Logistikbereich wurde ein neues Modell angekündigt, dessen Sinn sich nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt: Disponenten und Zustellbetreuer sollen künftig entfallen. Stattdessen soll es Gebietsleiter und Qualitätsmanager geben, auf diese Stellen können sich Interessierte bewerben.

Die Pressemitteilung von Funke zum Umbau wurde in Thüringen in der Freitagsausgabe der Tageszeitungen nicht veröffentlicht. Stattdessen titelte der MDR, dass Funke die gedruckte Zeitung abschaffen will. Erst in der Samstagsausgabe konnte Schadensbegrenzung betrieben werden. Die Motivation der Mitarbeiter tendiert nach dieser Fehl-Kommunikation aber gegen Null, auch viele Leser sind massiv verunsichert.

 Ismaning: Per Betriebsübergang gehen acht von neun Mitarbeitern des Service-Centers Gong Verlag zur Funke Women Group über.

Ebenso per Betriebsübergang gehen alle 15 Mitarbeiter des DCM Gong Verlags auf die neu gegründete Funke Zeitschriften Digital GmbH über.

Die Mantel-Redaktion von TV direkt / Gong Verlag wird geschlossen, alle 17 Arbeitsplätze entfallen. Vier Kündigungen wurden bereits ausgesprochen, bis zu drei weitere werden erwartet. Den anderen Mitarbeitern sollen möglichst Stellen im Haus angeboten werden. Die Arbeit wandert nach Hamburg, dort sollen zusätzliche Jobs entstehen.

Sozialplanverhandlungen wurden eingeleitet.

 Braunschweig: In Braunschweig sind bis Ende 2018 bereits 15 Stellen abgebaut worden. Im Redaktionsbereich sollen Redakteur-/innen freiwillig die Arbeitszeit verkürzen mit entsprechendem Gehaltsverzicht verbunden mit einer Abfindung. Angekündigt wurde bereits, dass damit weitere 350.000 Euro gespart werden müssten. Bei Erfolg käme es zu keinem weiteren Stellenabbau. 

Sechs Vertriebsmitarbeiter gehen per Betriebsübergang auf Funke Sales über und bleiben am Standort Braunschweig.

Bei der Druckerei Braunschweig sind derzeit keine Veränderungen geplant.

 

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